Die Lötbarkeit ist definiert als die Fähigkeit eines Metalls, von einem geschmolzenem Lot benetzt zu werden. Die Messung der Lötbarkeit kann auf verschiedene Arten durchgeführt werden. Eine Benetzungswaage mißt und zeichnet die Benetzungskraft als Funktion der Zeit auf. Während es sich hierbei um einen quantitativen Test handelt, kommt es zu Komplikationen wenn man die Ergebnisse mit den tatsächlichen Lötpraktiken vergleicht. Zusätzlich ist ein teueres Laborgerät erforderlich. Ein häufig angewendeter qualitativer Test ist der Lotbadtauch-und beobachtungstest. Dieser Test verwendet einen Lotbehälter, ein Mikroskop im unteren Leistungsbereich und schließt unter Umständen die Alterung im Dampf der Prüflinge mit ein. Das Verfahren für die Verwendung dieses Test zur Lötbarkeitsüberprüfung von Drähten ist sehr gut beschrieben in den American National Standards ANSI/J-STD-002 und MIL-STD-202 Method 208. Der NEMA Standard WC65 beschreibt Lötbarkeitsangelegenheiten und Empfehlungen in Verbindung mit silber-, nickel- und zinnbeschichteten Leitern.

Der Lottauch-und beobachtungstest ist ein allgemeiner Indikator der Oberflächensauberkeit und des Vorhandenseins von Oberflächenoxidation. Er ist ebenfalls ein guter Indikator der Lötbarkeit des Leiters während der Betriebsnahme. Das allgemeine Akzeptanzkriterium für den Tauch-und Beobachtungstest ist eine mindestens 95% Benetzung.

Es gibt einige Begrenzungen beim MIL-STD-202/208. Die Methode erlaubt lediglich ein Testverfahren für alle Leiterarten. Es berücksichtigt nicht die verschiedenen Materialeigenschaften der verschiedenen Beschichtungsmaterialien. Die Methode wendet ein visuelles Akzeptankriterium an, das sehr subjektiv ist und das Verfahren kann scheitern, einheitliche Ergebnisse für die Korrelation zwischen Lötbarkeit und Haltbarkeit zu geben.

Leiterlötbarkeit
Ein Material zeigt eine gute Lötbarkeit, wenn seine Oberfläche einen Verbund mit dem geschmolzenen Lot eingehen kann. Die meisten reinen Metalle und Legierungen können sich rasch mit dem Lot verbinden, allerdings können dies Oberflächenoxidation, Verunreinigungen und die Bildung von intermetallischen Verbindungen verhindern. Über die Zeit, wenn Oxidschichten dicker werden und intermetallische Formationen zunehmen, nimmt die Lötbarkeit ab.

Die Dicke und Haftung der Oxidschicht hängt vom Metall oder der Legierung ab. Lotflußmittel mit Reduktionsmitteln werden zu Hilfe genommen, um die Oxidschicht aufzubrechen und das löten zu ermöglichen. Dickere und stabiliere Oxide benötigen aktiviertere Flußmittel, um eine Lötbarkeit möglich zu machen. Intermetallische Verbindungen haben sehr stabile Oxide und brauchen daher die aktiviertesten Flußmittel zum Erhalt einer guten Lötbarkeit. Edelmetalle wie Silber und Gold können rasch gelötet werden ohne Verwendung von Flußmitteln.


Lötbarkeit und Haltbarkeit
Die Lötbarkeit nach Lagerung ist wichtig für viele Anwendungen. Nachdem die Alterung die Lötbarkeit verringert, wurden Methoden entwickelt zur Vorhersage der Lötbarkeit nach längerer Lagerung. Die MIL-STD-202 Methode 208 wurde ursprünglich entwickelt für Anschlüsse, Zentriernocken und Bleihammer. Diese Methode wurde erweitert auf isolierte Leiter und dahingehend verändert, um die Alterung im Dampf der beschichteten Prüflinge mit einzuschließen. Die Alterung im Dampf wird als künstliche Umgebung verwendet, um den natürlichen Alterungsprozeß zu stimulieren und zu beschleunigen. Allerdings und aufgrund der kombinierten Effekte der Variablen der verschiedenen Leiterbeschichtungen, der Legierungsbasismetalle, der Unterschichten und Lagerungsumgebungen ist es nicht möglich, die maximale Lagerungszeit irgendeines beschichteten Leiters genau vorherzusagen.


Zinnbeschichtung

ASTM B 33 definiert die Parameter für verzinnte Leiter. Verzinnte Kupferoxide bilden sich rasch bei normalen Lagerbedingungen (50 - 100º F). Kupfer-Zinn intermetallische Verbindungen bilden sich auch bei Zimmertemperatur, sind sehr spröde und verhindern die Lötbarkeit. Diese beiden Phänomene tragen zur Verschlechterung der Lötbarkeit von verzinntem Kupfer über die Zeit bei. Die Erhöhung der Zinnschichtdicke über das in der ASTM B 33 geforderte Maß wurde als Lösung zur erhöhten Haltbarkeit vorgeschlagen. Dies mag für massive Leitungsdrähte akzeptabel sein, aber es ist nicht erstrebenswert für verlitzte Leiter. Eine dickere Zinnschicht führt zu einem höheren elektrischen Widerstand und kann zum Aneinanderkleben der Litzendrähte führen.


Nickelbeschichtung

ASTM B 355 definiert die Parameter für vernickelte Leiter. In der Vergangenheit wurden vernickelte Leiter selten für Anwendungen benutzt, die gelötete Anschlüsse benötigten, allerdings werden sie aufgrund der ausgezeichneten Korrosionsbeständigkeit von Nickel immer öfter für allgemeinere Anwendungen spezifiziert. Nickel bildet ein sehr zähes Oxid, das ein sehr aktiviertes Flußmittel zum Löten benötigt.


Silberbeschichtung

ASTM B 298 definiert die Parameter für versilberte Leiter. Ein Flußmittel ist gewöhnlich nicht nötig zum Löten von versilberten Leitern. Im Gegensatz zu Zinn bildet Silber keine intermetallische Verbindung und seine Haltbarkeit ist ausgezeichnet bei einer standardgemäßen schwefelfreien Schutzverpackung und Lagerbedingungen. Silber bietet die beste Lötbarkeits- und Haltbarkeitsleistung von allen standardbeschichteten Materialien.

Das übliche bewährte Verfahren zur Maximierung der Lötbarkeit aller beschichteten Leiter ist die Lagerung des Leiter oder des Drahtes in angemessener Verpackung zur Minimisierung des Lufteintritts, bevorzugterweise in einer klimakontrollierten Umgebung.

Wenn und wo Lötbarkeit gefordert ist, sollte der beschichtete Draht nach längerer Lagerung nochmals auf die Lötbarkeit geprüft werden.


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