Kupfer und Kupferlegierungen für Leiter sind oft elektrolytisch beschichtet mit reinen Metallen wie Zinn, Silber und Nickel. In speziellen Fällen können auch Legierungsschichten wie Zinn/Blei (Lötschicht) oder Verbundschichten wie Silber über Nickel, etc. in mehreren Lagen aufgebracht zur Anwendung kommen. Beschichtungen verbessern die Leistung eines Leiters.

Zinnbeschichtung

Zinn als reine Metallbeschichtung erhöht bekanntlich die Betriebstemperatur von Kupferleitern bis zu 150 ºC und verbessert ihre Lötbarkeit. Die Zinnbeschichtung ist relativ kostengünstig, da die Leistung den Ertrag erhöht. Eine Zinnbeschichtung wird hauptsächlich wegen ihrer Temperatur- und Lötbarkeitseigenschaften verwendet. Parameter für verzinntes Kupfer sind in der ASTM B 33 beschrieben.

Aufgrund der relativ niedrigen Schmelztemperatur von Zinn, erfolgt eine Zinnbeschichtung nur auf Basismaterialien, die nicht einem Prozeß mit hohen Temperaturen nach Aufbringung der Zinnschicht ausgesetzt werden. Einige der hochfesten Kupferlegierungen und andere Basismaterialien benötigen eine Wärmebehandlung oder eine Glühung während der Herstellung, die die Zinnschicht schmelzen lassen würden. 

Verzinnte Kupferleiter haben auch eine begrenzte Haltbarkeit für ihre Lötbarkeit. Nach einiger Zeit und in einer Geschwindigkeit, die von der Temperatur bestimmt wird, reagieren Zinn und Kupfer miteinander und bilden eine intermetallische Legierung. Diese Reaktion findet sogar statt bei Raumtemperatur und kann auch nicht durch eine Schutzverpackung verhindert werden. Wenn das gesamte Zinn von der Oberfläche verbraucht worden ist (legiert mit dem Basiskupfer), verliert der Leiter seine Lötbarkeit. Oberflächenoxidation verschlechtert ebenfalls die Lötbarkeit, daher sollte der Leiter vor Luft und Feuchtigkeit mittels einer Verpackung geschützt werden. Die Haltbarkeit kann erhöht werden durch richtige Verpackung und Lagerung in einer temperaturkontrollierten Umgebung.


Silberbeschichtung

Die Silberbeschichtung erhöht bekanntlich die Betriebstemperatur von Kupfer oder Kupferlegierungsleitern auf 200 ºC. Die Silberbeschichtung verleiht dem Leiter auch ausgezeichnete Lötbarkeitseigenschaften. Silber behält seine Lötbarkeit wenn Standardverpackungstechniken zur Anwendung kommen, um die Oberfläche vor Oxidation zu schützen. Seine Lötbarkeit verringert sich nicht über die Zeit durch Diffusion.

Reines Silber hat die höchste elektrische Leitfähigkeit aller reinen Metalle. Die Beschichtung eines Leiters mit Silber verbessert außerdem die Hochfrequenzübertragungseigenschaften des Drahtes. Elektrische Hochfrequenzsignale wandern entlang der Oberfläche eines Leiters, bekannt als der sog. „skin effect“ und die Verwendung von Silber für diesen Übertragungsweg erhöht die Leistung des Leiters.

Silber ist ein relative weiches Metall, sein Oxyd ist elektrisch leitfähig und hat einen geringen Kontaktwiderstand. Daher haben silberbeschichtete Leiter viele Vorteile gegenüber anderen Beschichtungsmaterialien bei den Crimpanschlüssen. Standard silberbeschichtete Leiter haben eine minimale Schichtdicke von 40 micro-inches (0.000040 inches) (entspricht 1 μ) wie in der ASTM B 298 spezifiziert. Variationen in der Beschichtung sind akzeptabel in Abhängigkeit der Anwendung. 


Nickelbeschichtung

Eine Nickelbeschichtung erhöht im allgemeinen die Betriebstemperaturen von Kupfer oder Kupferlegierungsleitern auf 260 ºC. Nickel hat darüberhinaus eine ziemlich hohe Resistenz gegenüber korrosiven Umgebungen. Allerdings benötigt Nickel ein aktiviertes Flußmittel zum Löten und aufgrund seiner Härte zeigen vernickelte Leiter größere Schwankungen in der Verläßlichkeit der Crimpanschlüsse als andere Beschichtungsmaterialien.

Standard vernickelte Leiter haben eine Mindestschichtdicke von 50 micro-inches (1.25 μ) wie in der ASTM B 355 aufgeführt.

Es gibt eine spezielle Klasse unter den Nickelbeschichtungen, die in der ASTM B 355 als Klasse 27 bezeichnet wird. Diese Klasse von Leitern enthält eine Mindestnickelauflage von 27% (an Gewicht). Diese spezialisierten Leiter werden in der Regel für extrem hohe Temperaturbedingungen verwendet.


Mehrfachbeschichtung

Die sequentielle Beschichtung mit verschiedenen Metallen über dem Basismetal liefert eine Sperrschicht zwischen der Oberfläche und dem Basismetal. Dies kann die intermetallische Reaktion zwischen der Oberfläche und dem Basismetall reduzieren und gleichzeitig die günstigen Eigenschaften der Oberflächenbeschichtung beibehalten.


Meßtechniken zur Schichtdickenbestimmung

Die Standardmethode zur Messung der Schichtdicke eines Litzdrahtes erfolgt mit elektrochemischen Mitteln.

ASTM (B 33, B 298, and B 355) empfiehlt einen elektronischen Schichtdickentester, der eine elektrochemische Ablösung der Beschichtung anwendet (üblicherweise als "Kocour" Methode bezeichnet – nach einem Gerätehersteller). Dieses koulometrische Verfahren benutzt eine kontrollierte „Ablösungs“ Stromstärke, die Zeit, die benötigt wird, um das Beschichtungsmaterial zu entfernen und den Durchmesser und die Länge des Prüflings, um die Schichtdicke zu bestimmen.


Beschichtungsintegrität

Die Beschichtungsintegrität kann mit Hilfe der Kontinuität und der Haftung der Beschichtung auf dem Basismetal definiert werden.


Kontinuität der Beschichtung
Die Anforderungen möchten, daß das Beschichtungsmaterial die Oberfläche des Drahtes vollständig bedeckt. Ein Durchscheinen des Basismetalls vor dem Verlitzen bei Betrachtung mit bloßem Auge ist nicht geduldet. Um diese Untersuchung zu erleichtern werden die Prüflinge in eine Natrium-Polysulfidlösung getaucht (ASTM B 33, B 298, and B 355), das Stellen mit durchscheinendem Kupfer schwarz färbt.

Haftung der Beschichtung
Die Beschichtung muß am Basismetal haften. Haftungstests belasten zuerst die Beschichtungsschnittstelle. Das Verdrehen eines Leiterlängenpaares oder die Umwicklung einer Leiterlänge um seinen eigenen Durchmesser erzeugt genügend Belastung, so daß jede Stelle mit schlechter Haftung zum Vorschein kommt durch ein Aufheben oder Brechen in der Beschichtung. Die Prüflinge werden dann einem Natrium-Polysulfidtest unterzogen. Schwarzgefärbtes sichtbares Kupfer ist ein Beweis für schlechte Haftung.


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